Lohn und Taggelder

Berechnung Lohnkürzung bei Krankheit

Hat der Arbeitgeber eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen, die der Lohnfortzahlung gemäss Art. 324a OR mindestens ebenbürtig ist, darf er bereits ab dem 1. Krankheitstag einen Lohnabzug von 20 % machen (oder sogar während der ersten 3 Krankheitstage keinen Lohn zahlen). 

 

Ebenbürtig zum Gesetz ist die Krankentaggeldversicherung, wenn:

  • sie für mindestens 720 Tage abgeschlossen wurde;
  • der Lohn mindestens 80 % beträgt;
  • der Arbeitgeber mindestens 50 % der Prämien zahlt; 
  • UND die Karenzzeit zulasten des Mitarbeiters maximal 3 Tage beträgt.

Sind diese Bedingungen kumulativ erfüllt, gilt Art. 324a, Abs. 4 OR als eingehalten.

 

Um die Lohnkürzung berechnen zu können, muss meistens zuerst vom Monatslohn auf Taglohn umgerechnet werden (weil Krankheiten ja selten genau einen Monat dauern). Hierfür kann der Arbeitgeber zwischen zwei Methoden wählen: Kalendertage oder Arbeitstage. 

 

Methode Kalendertage: der Monatslohn wird durch 30 geteilt. (Alternativ kann der Monatslohn auch durch die Anzahl Kalendertage des betreffenden Monats geteilt werden. Dies empfehle ich jedoch nicht - denn der Monatslohn variiert ja auch nicht je nach Anzahl Kalendertagen). 

 

Methode Arbeitstage: der Monatslohn wird durch die durchschnittliche Anzahl Arbeitstage geteilt, nämlich 21.75. (52 Wochen à 5 Arbeitstage = 260 Arbeitstage pro Jahr plus den 365. Tag = 261 Tage pro Jahr / 12 Monate = 21.75 Tage). Alternativ kann auch mit 260, bzw. 21.67 Tagen gerechnet werden. 

 

Wo kein GAV etwas vorschreibt, kann der Arbeitgeber eine der beiden Methoden wählen, muss diese dann aber konsequent anwenden (und nicht immer gerade diejenige, die für ihn im aktuellen Fall günstiger ist) - also auch bei der Berechnung des Ein- oder Austrittslohnes und prozentualem Ferienanspruch für einen angebrochenen Monat. 

 

Anstelle des Monatslohns können für die Kürzung auch der Jahreslohn und 365 Kalendertage oder 261 Arbeitstage herangenommen werden. Wird der Jahreslohn als Basis für die Kürzung genommen, wird der 13. Monatslohn automatisch mitgekürzt und muss somit Ende Jahr voll ausbezahlt werden. 

 

a) Kürzung mit Arbeitstagen und Jahreslohn

13 * 5'000.- = CHF 65'000.- Jahreslohn

CHF 65'000.- / 261 Arbeitstage * 20 % = Lohnkürzung um CHF 49.80 pro Tag

Bei dieser Methode wird der 13. Monatslohn voll ausbezahlt, da die prozentuale Kürzung bereits mit dem Krankabzug erfolgt.

 

b) Kürzung mit Arbeitstagen und Monatslohn

CHF 5'000.- / 21.75 Arbeitstage * 20 % = Lohnkürzung um CHF 45.95 pro Tag

Bei dieser Methode wird der 13. Monatslohn auf der Basis des gekürzten Lohnes ausbezahlt ((Jahreslohn - Kürzungen) * 8.33 %) und somit erst bei Auszahlung gekürzt.

 

Wie berechnet die Krankentaggeldversicherung das Taggeld? 

Die meisten Taggeldversicherungen berechnen die Taggelder anhand des Jahreslohnes geteilt durch die Anzahl Kalendertage (CHF 65'000.- / 365 Kalendertage * 80 %) und zahlen dafür das Wochenende jeweils mit. 

 

Welche Methode soll für die Kürzung gewählt werden?

Wenn keine Vorschrift durch einen GAV besteht, empfehle ich die Methode mit den Arbeitstagen. So ist das Ergebnis unabhängig vom konkreten Monat immer gleich und es entstehen keine Diskussionen darüber, ob das Wochenende einbezogen wird oder nicht. 

 

Verrechnung der Krankentaggelder mit dem Lohn

Die Taggelder darf der Betrieb behalten, wenn er Lohnfortzahlung leistet. Er muss sie jedoch nach Erhalt mit dem Lohn verrechnen, weil die Krankentaggelder nicht AHV/IV/EO-, KTG- und UVG-pflichtig sind (das heisst, auf dem Betrag der Taggelder müssen diese Abzüge nicht gemacht werden).