Von Füllwörtern, Adjektiven und Einzelheiten

Streiche Füllwörter

Müssen eigentlich alle Wörter Kraft haben? Nein! Wie würdest du die Kräftigen sonst erkennen? Wenn du immer nur glücklich wärst, würdest du dein Glück auch nicht schätzen. Alles klar? Sei vorsichtig mit diesen Wörtern, aber benutze sie unbedingt, wenn du dir sicher bist:

  • eigentlich
  • irgendwie
  • ja
  • nun
  • quasi
  • sehr
  • sozusagen
  • eben
  • durchaus
  • doch
  • dann
  • trotzdem
  • also
  • an sich
  • halt
  • jetzt
  • ziemlich
  • einfach


Geize mit Adjektiven (Wiewort)

Achtlos hingeworfene Adjektive verhunzen deinen Text. Benutze sie nur, wenn sie so sind:

  • prall und bestechend
  • alt und beinahe vergessen
  • selbst erfunden
  • mit einem Widerspruch verbunden
Dann hauen sie ganz schön deftig rein. 

Das ist Matsch:

  • Unfreundlich kam die Antwort
  • Unelegant
  • Geduldig
  • Verstimmt antwortete sie...

Das ist Pfeffer:

  • Bärbeissig kam die Antwort
  • Mit bierbauchiger Eleganz
  • Mit pferdegesichtiger Langmut
  • Sauertöpfisch spuckte sie hervor...


Mit der direkten Rede kannst du viele Adjektive umgehen.

So nicht:

  • Sie war ebenso stur wie geduldig.

Dafür so:

  • Sie sagte: «Ich warte. Auf Alain. Oder den Tod. Wer immer zuerst kommt.»


Ersetze den Sammelbegriff durch die Einzelheit

Benutze präzise Begriffe.

  • Ich fahre Motorrad.
  • Ich fahre Harley.

Wenn du Harley meinst, dann schreibe Harley. Einen Menschen auf einer Harley stellst du dir anders vor als einen Menschen auf einer KTM. Logisch. Allein seine Körperhaltung ist völlig anders. 


Betrug oder Totschlag - der Henker steht bereit

Kurz ja. Oberflächlich nein. Das wäre Betrug. Begnüge dich nicht mit dem «dichten Wald». Etwas gehaltvoller muss es schon sein: «Unter all den Buchen, Tannen und Brombeersträuchen sehnten sich einzelne Pilze nach einem Sonnenstrahl. Alle paar Meter blieb sein Pullover an einem Ast hängen.»

 

Der Leser will selber schlussfolgern, dass dies ein dichter Wald sein muss. Wenn du noch hinzufügst: «Doch er sappte weiter über den Moosteppich bis zum verborgenen Brunnen.», kannst du den Wald schon fast riechen.

 

Statt betrügen, kannst du den Leser auch erschlagen:

 

«Zunehmend von der unfassbaren Erkenntnis durchdrungen, dass sie tot war, stand er da mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen. Sein Magen verkrampfte sich, sein Bauch zog sich zusammen und nur mit Mühe konnte er verhindern, sich zu übergeben. Das Blut dröhnte schwer durch seinen Kopf, sein Herz schien unter der unermesslichen Last zu zerplatzen und beispiellos erschüttert, fing er an zu schluchzen, laut zu jammern und herzzerreissend zu weinen. Die zutiefst bestürzten Zuschauer erkannten seinen schlimmen Schmerz, seine immense Traurigkeit und seinen tragischen Verlust.»

 

Das ist viel zu viel Information, unnötig wiederholend und mühsam zu lesen.


Ja, der Leser will Details, aber nicht alle. Voltaire sagte einmal: «Die Kunst, langweilig zu sein, besteht darin, alles zu sagen.»


Wie du auch schreibst - der Henker steht immer bereit. Sei also wachsam; ihm ist es egal, ob du als Betrüger oder Totschläger am Galgen baumelst.