Wie kurz ist lang genug?

Sag es kurz, sag es einfach, sag es treffend

Einfach ist schön. Einfach ist liebenswert. Einfach ist lesenswert.

Aber einfach ist selten simpel.

 

Einen sinnlosen Wortschwall dahinplätschern lassen, kann jeder. Je kürzer ein Text werden soll, desto würziger muss er sein und desto länger brauchst du dafür. Die Suche nach dem treffenden Wort ist oft qualvoll. Aber sie lohnt sich. Immer.

Du kannst nicht nicht kommunizieren

Oder anders gesagt: egal, was du sagst oder nicht sagst, du sagst damit immer etwas. Mit den Entscheidungen ist es genauso. Wenn du nicht entscheidest, war genau das deine Entscheidung. Und sie wird Konsequenzen haben.

 

Überlege dir deshalb genau, was du schreibst und wie du es schreibst, bzw. was du nicht schreibst. Vor lauter Kürze solltest du den Text nicht um den Inhalt bringen. Lass mich ein Beispiel machen.

 

In der Zeitung war zu lesen: «Im August 2017 führten der TCS und der Schweizerische Samariterbund eine Umfrage durch. Sie ergab, dass nur 7% der Befragten die vier am Unfallort zu beachtenden Grundregeln kennen.» Diese vier Regeln anschliessend nicht zu nennen, wäre in diesem Beispiel nicht nur dumm, sondern verheerend gewesen - denn sie können Leben retten. Und der Leser fühlte sich vergackeiert. Zuerst etwas andeuten und dann nicht damit rausrücken. Wer hasst das nicht? Hier sind sie also, die vier Regeln am Unfallort:

  1. Für die eigene Sicherheit sorgen.
  2. Den Unfallort sichern.
  3. Die Sanität rufen.
  4. Erste Hilfe leisten.

Platz für Gedankensprünge

In meinem Reisebericht für das Globetrotter Reisemagazin war folgender Absatz zu lesen:

 

«Über Träume und das Glück. Dass ich ein früheres Leben in Texas verbracht habe, halte ich nun für bewiesen. Ich wusste es, als ich meinen Fuss zum ersten Mal auf diesen Boden setzte. Einst war ich überzeugt, dass es einige Zeit dauert, bis jemand zum Freund wird. Auf jeden Fall länger als drei Monate. Das glaube ich nun nicht mehr.

Trisha schenkt mir zum Abschied...»

 

Die Redaktion schrieb mir zurück, ich müsse vor «Trisha schenkt mir zum Abschied....» noch einen Satz einschieben, der den Aufenthalt abschliesse, bevor man zurückblicken könne. Ihr Vorschlag war: «Und doch ist es nun Zeit um heimzukehren, die drei Monate sind um.»

 

Ich habe mich geweigert, das zu tun. Es wäre töricht gewesen. Wozu etwas schreiben, das ohnehin klar ist? Gedankensprünge halten den Leser wach und machen den Text spannender. Trau dem Leser ruhig etwas zu. Die Logik ergibt sich von ganz allein.